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Buntes Borstenvieh und andere Tiere

Buntes Borstenvieh und andere Tiere

Foto: Maria Büning, Arche- und Naturlandhof Büning, Laer

An der Fleischtheke im Bioladen – heute im Angebot: Mettwurst vom Bentheimer Landschwein. Da wird auch schon eine Kostprobe angeboten. Lecker. Aber fettig. Na, so sind sie eben, die Bunten Bentheimer, die es heute anscheinend wieder öfter gibt. In den 1960er Jahren war die in Westfalen so beliebte Schweinerasse fast ausgestorben. Und wie sieht so ein Landschwein aus, bevor es im Laden landet? Glücklich, hoffentlich.

Glücklich auf der Schweineweide
Noch Ende der 1990er-Jahre waren die Bentheimer „museumsreif“. Das Westfälische Freilichtmuseum in Detmold gehörte zu denen, die sich um den Bestand der Rasse bemühten. Als erste zogen die beiden Sauen Olympia und Olivia dort in den historischen Stall ein, hielten sich aber am liebsten draußen auf. Besucher wurden gern am Zaun begrüßt und bei der Futtersuche verwandelten sie die große Weide bald in einen gut durchpflügten Acker. Groß waren die beiden Muttertiere, recht lang, schwarz gefleckt, ordentlich behaart und ziemlich zufrieden. Laut grunzend drückten sie ihre Nasen in den Boden.

Piercing für Unkraut-Vernichter
„Schweine sind Allesfresser“, erklärt Agnes Sternschulte, sie ist Landschaftsökologin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. „Schweine holen Wurzeln aus der Erde, aber auch Kleintiere, alles was sie finden. Früher hat man sie auch eingesetzt, damit sie die lästigen Queckenwurzeln aus dem Boden holten.“ Das Schwein als Unkraut-Vernichter. Sehr ökologisch. In Zeiten, in denen die tierische Grabe-Arbeit weniger geschätzt wurde, bekamen Schweine ein Piercing in die Nase. Mit dem Ring im Riechorgan tat das Wühlen weh.

Schweine für Liebhaber
„Die Bentheimer waren in Westfalen sehr verbreitet, aber das Interessanteste ist, dass nur ein einzelner Züchter sie erhalten hat. Das war Gerhard Schulte-Bernd aus Isterberg in der Grafschaft Bentheim“, erklärt Agnes Sternschulte. „Er ist bei der Rasse geblieben, als alle anderen abgesprungen sind und obwohl er kaum frisches Blut für die Zucht bekam.“
Bentheimer sind sehr robust und können gut draußen gehalten werden. 2011 gab es deutschlandweit immerhin schon wieder rund 240 Sauen und 54 Eber. Das Fleisch der Schwarz-Bunten ist fetter, als das heutiger Züchtungen. Lange Zeit war das aber gar nicht gewünscht. Und für die Massentierhaltung taugen die Bentheimer auch nicht, Mastfutter ist für sie ungeeignet, sie sind spät reif, müssen also länger gefüttert werden, und so ist die Haltung nicht rentabel. Ein Glück für die Bentheimer. Deren Schinken soll bei Eichelmast besonders fein schmecken. Doch wo gibt’s das heute noch? Westfälische Eichenwälder sind selten geworden, Schweinehirten, die ihre Herden dort hin treiben könnten, auch.
„Früher hatte ja fast jeder wenigsten zwei Schweine hinterm Haus, Ziegen, ein paar Hühner – auch die Bergarbeiter im Ruhrgebiet“, sagt Agnes Sternschulte. “Und die Bentheimer Landschweine waren besonders beliebt wegen ihres Aussehens.“

Weiße Gänse, rote Rinder und fleißige Totleger
Und was war sonst noch typisch in Westfalens Ställen? Zum Beispiel Schwarzkopfschafe und weiße Lippegänse, das Lakenfelder Huhn, der Westfälische Krüper und das schöne Westfälische Totlegerhuhn mit seinem golden oder silbern gesprenkelten Gefieder. Es legt angeblich so gut, dass es sich fast „zu Tode legt“ – so eine Interpretation des Namens. Gut 400 Jahre lässt sich die Geschichte dieser sehr widerstandsfähigen Rasse zurückverfolgen. Und dann gibt es da noch das Siegerländer Rotvieh (offiziell: Rotes Höhenvieh). Es ist ein so genanntes Dreinutzungsrind – gibt Milch, liefert Fleisch und kann als Zugtier eingesetzt werden. Das schätzten besonders die vielen landwirtschaftlichen Kleinbetriebe, die sich keine Pferde leisten konnten.

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

 

 

  • Datum 23. Oktober 2018
  • Schlagwörter Features