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Turmbau für König, Fürst und Vaterland

Turmbau für König, Fürst und Vaterland

Vincke-Turm, Dortmund Hohensyburg. Foto: Thomas Robbin

Von hier aus ist der Blick über das Ruhrtal phantastisch. Wer bei klarer Sicht die 127 Stufen des Dortmunder Vincke-Turms auf der Hohensyburg hinaufsteigt, kann tief unter sich die winzigen Segelboote auf dem Hengsteysee beobachten, die Lennemündung sehen und über die Nachbarstadt Hagen hinweg bis ins Sauerland schauen. Der trutzige Turm steht auf Dortmunds höchster Erhebung und es sieht auf den ersten Blick so aus, als gehörte er zur Ruine der mittelalterlichen Syburg. Doch er ist keineswegs ein Wehr-oder Wachturm. Der neugotische Vincke-Turm wurde erst 1857 eingeweiht. Es war die Zeit der steinernen Denkmäler. Turmbauten erfreuten sich besonderer Beliebtheit. Hagen bekam damals vier, Dortmund zwei und Bochum einen Turm. Die meist begehbaren Bauwerke entstanden zum Gedenken an große Männer, ihr Wirken, ihre Ideen und vor allem als Ausdruck der politischen Gesinnung ihrer Erbauer.

Bauboom und Erinnerungskult
Dieser besondere und heute nur schwer zu verstehender Bauboom ging aus vom begüterten und gebildeten Bürgerturm des 19. Jahrhundert. Man schuf Symbole für ein neues, kollektives Bewusstsein, manifestierte einen preußisch-nationalen Erinnerungskult und sprach die Gefühle breiter Bevölkerungsschichten an.

Ein Turm für Vincke, einer für Stein, einer für …
Der etwa 26 Meter hohe, achteckige Vincke-Turm war der erste Denkmalturm im Ruhrtal. Ihm sollten noch viele folgten. Schon bei seiner Einweihung wurden Stimmen laut, die darauf hinwiesen, wenn der beliebte Oberpräsident Westfalens Freiherr Ludwig von Vincke, ein Denkmal bekomme, dann müsse der verdiente, langjährige Oberbergrat, Oberpräsident und gesellschaftliche Reformer Karl Freiherr vom und zum Stein erst recht eins haben. Gesagt, getan: Der Stein-Turm wurde in Hagen-Vorhalle errichtet. Allerdings erst 1869, denn ganz so einfach war es natürlich nicht, schließlich ist so ein Denkmal eine ideologische, emotionale und auch kostspielige Angelegenheit. In den Geschichtsbüchern finden sich reichlich Berichte über Streitigkeiten und Eifersüchteleien, wo denn, wenn denn und für wen denn, ein Denkmal errichtet werden müsse oder solle. Vielleicht war bei den oft langwierigen Entscheidungsprozessen, die Sturheit, die den Westfalen so gerne nachgesagt wird, nicht unbeteiligt.
Getreu dem Motto „Weithin sichtbar bis in ferne, fernste Zeit …“ entstand 1884 für den legendären „Vater des Ruhrgebiets“, den Unternehmer und Politiker Friedrich-Harkort ein Turm in Wetter. 1901 und 1910 kamen unter anderem die Türme für Otto von Bismarck in Hagen und Bochum hinzu, 1902 der Louis-Berger-Turm in Witten, 1910 der Kaiser-Friedrich-Turm und 1911 der Eugen-Richter-Turm in Hagen – um nur einige zu nennen. Dort erfreut sich heute ein Drei-Türme-Wanderweg großer Beliebtheit.

Mehr zu den Personen, zur westfälischen Geschichte und besonderen Ereignissen auf dem  Internetportal des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte.

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

 

  • Datum 20. November 2018
  • Schlagwörter Features