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Erfolgreich auf vier Hufen

Erfolgreich auf vier Hufen

Westfalen und die Pferde

Westfälischen Nachrichten, 1955, Foto: Bernhard Hülsmann, © Heimatverein Borghorst e.V

Herzogliche Wildpferde, Frischsamen-Lieferanten im Landgestüt, ein Pferdemuseum im Zoo, und der Springer im Landeswappen – Keine Frage, Westfalen ist Pferdeland. Und mit mehr als 500 Reitvereinen gilt es als Hochburg des Pferdesports.

Fanpost für die Wunderstute
Das Pferd – Projektionsfläche für Sehnsüchte, Hauptdarsteller in Sagen, Legenden und Kultfilmen, Zauberwesen, Glücksbringer und ist vor allem verlässlicher Freund des Reiters. So wie die legendäre Stute Halla. Obwohl sie keine Westfälin war, steht ihre lebensgroße Bronzestaue in der Nähe von Deutschlands Reiter-Hauptstadt Warendorf. Dort wurde sogar eine Straße nach Halla benannt. 1956 trug Halla – so gut wie führungslos – den verletzten Hans Günter Winkler fehlerfrei durch den Springparcours zu olympischem Gold. Winkler und sein Pferd waren ein Dreamteam und der Mythos der Wunderstute lebt fort. Insgesamt holten die Beiden zusammen 125 Titel und drei Mal Olympisches Gold. Noch im Ruhestand (bei Warendorf) bekam Halla Zucker-Pakete geschickt und sogar Fan-Post aus dem Ausland, adressiert an „Halla, Deutschland.“ Dabei war Halla nicht mal von edlem Geblüt, das Nachkriegskind war eine Kreuzung aus französischer Beutestute und Traberhengst. Eine Ausnahmeerscheinung.

Achtung, eilige Fracht! Frischsamen aus Warendorf
Eine feste Größe in der Pferdezucht Westfalens ist dagegen das Landgestüt Warendorf, das im Jahr 1826 als erstes Preußisches Landgestüt im Westen gegründet wurde. Vor der stimmungsvollen Kulisse seiner historischen Stallanlagen findet jedes Jahr die „Symphonie der Hengste“ statt. Und das Rondell mit dem Standbild des Hengstes „Paradox“, der dank seiner Nachkommen als „Millionär der westfälischen Pferdezucht“ gilt, wird festlich geschmückt. Der Auftrag des Gestüts, das heute im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen ist: „den Pferdezüchtern qualitätvolle und genetisch interessante Hengste gegen ein angemessenes Deckgeld zur Verfügung zu stellen“. Praktisch funktioniert das so: Entweder kommt die Stute zum Hengst und alles nimmt seinen natürlichen Lauf. Das heißt dann „Natursprung“ und findet in den sogenannten Deckstellen überall im Land statt. Oder der Hengst gibt seinen Samen ab. Der muss dann – in ungefähr 10 Portionen abgepackt, als Frischsamen – innerhalb von 24 Stunden bei den rossigen Stuten sein. Eingefroren geht es auch. Dann wird das Erbgut von zurzeit 60 Warendorfer Warmbluthengsten, 2 Vollblütern und 20 Kaltbluthengsten in die ganze Welt verschickt.

Im Land der wilden Pferde
Nach Freiheit und Abenteuer klingt das nicht. Wer Cowboy-Romantik sucht, findet die eher im Meerfelder Bruch bei Dülmen im Münsterland. Dort leben die Wildpferde des Herzogs von Croy. Zu seiner Herde gehören rund 400 Tiere. Einmal im Jahr werden die Wildlinge gefangen (das sind die einjährigen Hengste) aber nicht mit dem Lasso sondern mit echter Manneskraft und bloßen Händen. Ein Ereignis, das hunderte Zuschauer anlockt und auch Käufer, denn die Dülmener Wildpferde gelten als zuverlässige Reittiere, robust und widerstandsfähig, gutmütig und freundlich. Biologisch gesehen sind sie eigentlich keine Wildpferde. Die Bezeichnung bezieht sich auf ihre „halbwilde“ Lebensweise.

Dickköppe und die Cranger Kirmes
Früher zogen auch Davertnickel, Dickköppe und Senner Pferde durch Westfalens Wildbahnen, lebten im Emscherbruch und auf der Cranger Heide. Damit war 1834 Schluss, als die letzten freilebenden Dickköppe versteigert wurden. Geblieben ist die Cranger Kirmes in Herne, die einst ein großer Pferdemarkt war. Echte Wildpferde sind in Europa längst ausgerottet und museumsreif. Im Allwetterzoo in Münster erzählt das Westfälische Pferdemuseum ihre und viele andere Geschichten von Rössern und Menschen.

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

 

 

  • Datum 4. April 2018
  • Schlagwörter Features