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Der Knopf – aus Südwestfalen in die Welt

Der Knopf – aus Südwestfalen in die Welt

Foto: Karim Bergfeld

Knopflos lebt keiner. Knöpfe braucht man immer. Also machen wir welche! So oder so ähnlich haben wahrscheinlich die findigen Fabrikanten gedacht, die einst Lüdenscheid zur Knopfstadt und weltbekannt machten. Alles begann Ende des 18. Jahrhunderts und aus der guten Idee entstand eine äußerst lukrative Einnahmequelle, die bis nach dem zweiten Weltkrieg sprudelte.

Lüdenscheid, London, New York
Lüdenscheider Knöpfe waren ein Exportschlager. Sie zierten Hemden, Hosen, Jacken, Kleider in ganz Europa. Sie wurden in den Nahen Osten geliefert und nach Indien, man exportierte in die USA, nach Mexico und Brasilien, sogar nach Australien und China. Manche Fabrikanten hatten Filialen in Ost- und Westindien. Die Firma P.C. Turck Wwe unterhielt eigene Verkaufsagenturen in den internationalen Modezentren Berlin, Wien und Mailand, in London und New York. Wie exotisch muss das für die Menschen geklungen haben, die im ländlichen Südwestfalen die Knöpfe herstellten? Sie wurden lange Zeit weitgehend von Hand und oft noch in Heimarbeit gefertigt. Und von der Knopfherstellung profitierten bald auch andere Branchen, wie die der Graveure und Werkzeugmacher.

Knopf mit Stil
Der Knopf an sich, hat eine lange Geschichte, schon die Germanen trugen Bronzeknöpfe an ihren Kitteln. Als Nachfolger von Knebeln und Fibeln waren Knöpfe stets wichtige Bestandteile der Kleidung und nur selten rein funktional. Der praktische Verschluss war fast immer auch ein Schmuckstück, ein Gestaltungselement oder Statussymbol. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Knöpfe zeigen Stil und können ebenso Blickfang sein, wie modische Accessoires.

Vergoldet, versilbert und für den Krieg
Doch zurück nach Lüdenscheid. Bei allem Erfolg, nur wer einfallsreich agierte und phantasievolle Produkte kreierte, konnte dauerhaft bestehen. Neben Modeknöpfen und –zubehör wurden Uniformknöpfe und Abzeichen produziert. Dabei war es notwendig, die Fertigungsverfahren ständig zu verbessern und neue Distributionswege zu erschließen. So wandelte sich die Herstellung: Die frühen Lüdenscheider Knöpfe wurden gegossen, das Material war eine Metalllegierung aus Zinn, Blei und Antimon. Anfang des 19. Jahrhunderts kam Messing hinzu. Später stanzte man die Knöpfe aus Blechen und prägte mit einem Fallhammer Wappen und Muster ein. „Dadurch – und weil in den 1840er Jahren noch die Technik des Vergoldens und Versilberns auf galvanischem Weg hinzukam – war die Lüdenscheider Industrie alsbald zur massenhaften Produktion ästhetisch schöner und hochwertiger Knöpfe für Kriegs- und Friedensuniformen in der Lage“, schreibt Dr. Eckhard Trox *, der Leiter des Museums Lüdenscheid, im Ausstellungskatalog „Verborgene Schätze – Neun Mythen aus dem Sauerland“ (2002).

Weltausstellung und Konkurrenz aus Fernost
1873 nahm das Familienunternehmen Trucks, auch die Knopfkönige genannt, sogar an der Wiener Weltausstellung teil und zeigte ein umfangreiches Sortiment von Metallknöpfen, Schiebern, Schnallen und Ringen, sogar Stahldosen und Koffer-Nieten. Doch die Konkurrenz schlief nicht. Das profitable Chinageschäft der Lüdenscheider Unternehmen neigte sich schon wenige Jahre später dem Ende zu, weiß Eckhard Trox zu berichten: „Als 1889 die japanische Konkurrenz auf den dortigen Markt drängte (…) wurden die deutschen Warenmuster einfach imitiert und mit den Zeichen der hiesigen Fabrikanten versehen.“ Dennoch: Die Herstellung von Metallknöpfen und – schnallen war in Lüdenscheid noch bis in die 1940er-Jahre hinein einer der wichtigsten Wirtschaftszweige.

*Eckhard Trox, Sonja Edelmann und Michaela Ernst (Hrsg.),
Verborgene Schätze. Neun Mythen im Sauerland. Forschung zur Geschichte Preußens im südlichen Westfalen, Band 5. Hrsg. Verein für die Geschichte Preußens und der Grafschaft Mark e. V. , Lüdenscheid 2002. ISBN 3-929614-46-4

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach

 

 

  • Datum 23. November 2018
  • Schlagwörter Features