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Bomberg – westfälischer Eulenspiegel?

Bomberg – westfälischer Eulenspiegel?

Postkarte aus den 1950er-Jahren

Was für ein Kerl! Er raste mit seinen Kutschen über Stock und Stein, hinterließ so manches Wirtshaus, in dem er zechte, als Trümmerfeld, stoppte Züge dort, wo es ihm beliebte auszusteigen und machte mit seinen derben Späßen auch vor Adel und Würdenträgern nicht halt. Die Rede ist vom Kammerherrn und Baron Gisbert Freiherr von Romberg II. (1839–1897).
Als der „Tolle Blomberg“ ging der übermütige westfälische Baron in die Geschichte ein, nachdem ihn Josef Winkler 1924 in einem  Roman verewigte und Hans Albers ihn 1957 in der Verfilmung  spielte.

Im Morgenrock nach Essen
Gisberg von Romberg liebte schnelle Pferde und halsbrecherische Kutschfahrten, so sagen die Legenden.  Einmal soll er sogar seine Frau an einem sonnigen Morgen, kurz nach dem Frühstück, noch im Morgenrock, zu einer kurzen Spritztour in den nahgelegenen Wald gedrängt haben. Er hatte den Jagdwagen anspannen lassen und kaum war sie eingestiegen, ging es über Stock und Stein bis auf die Chaussee und weiter durch etliche Orte, bis sie endlich Essen erreichten. Nichts konnte den Baron aufhalten. Vor einem Hotel machte er endlich Halt, brachte seine schluchzende und schimpfende Gattin hinein, und ließ ihr eine Auswahl Kleider in die Suite bringen. Quelle:www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de

Wie Buldern einen Bahnhof bekam
Kaum zu glauben, dass es dem längst für seine Unberechenbarkeit bekannten Lebemann immer wieder gelang seinen Mitmenschen so übel mitzuspielen. Was hier allerdings wahr und was erfunden ist, lässt sich längst nicht mehr sagen, aber eins ist sicher, Gisbert von Romberg war eine schillernde Persönlichkeit vor der sich seine Zeitgenossen in Acht nehmen mussten. Natürlich bekommt er in der Ausstellung „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ einen Ehrenplatz. Gleich im ersten Territorium in dem es um Industrie und Mobilität geht, wird die Geschichte der so genannten „Romberg-Routine“ erzählt:
„Die Züge hielten zu dieser Zeit nur an Haupknotenpunkten, so dass die Bahn auf dem Weg von Münster ins Ruhrgebiet – dies war die wichtigste westfälische Bahnlinie – das erste Mal in Dülmen haltmachte. Der tolle Bomberg, der des Öfteren in Münster weilte, pflegte auf der Rückfahrt mit dem Zug von Münster in Buldern die Notbremse zu ziehen und dem Schaffner die für das Vergehen festgesetzte Strafe in die Hand zu drücken. Mit den Worten‚ ‚mal sehen, wer das länger durchsteht, der Fiskus oder ich‘, machte er sich auf den Weg zu seinem Schloss. Dem Bahnvorstand war dieses ein Dorn im Auge. Und viele Bulderaner gingen schon dazu über, den Baron zu fragen, wann er denn das nächste Mal in Buldern die Notbremse ziehen wolle, um dann ebenfalls den Weg von Dülmen zurück nach Buldern einzusparen. Die Situation eskalierte, als Romberg wieder einmal einen aus Hannover kommenden Zug, in dem auch der Herzog von Cumberland nebst Gattin saß, in Buldern anhielt. Dieses Mal stieg er aber nur aus, um zu urinieren und begab sich wieder in den Zug. In Dülmen, wo bereits eine Kutsche auf ihn wartete, beendete er seine Fahrt. Die Bahnverwaltung hatte bald ein Einsehen und eröffnete in Buldern die kleinste Bahnstation des Münsterlandes, was beim ersten offiziellen Halt eines Zuges gebührend gefeiert wurde.“ Quelle: Ortsgemeinschaft Buldern e.V.

Alter Adel und eine Dampfmaschine für Zeche Vollmond

Historische Ansicht von Haus Brünninghausen, Dortmund – lith. Anstalt: Winckelmann & Söhne, Berlin – Sammlung Duncker. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons*

Gisbert von Romberg II. stammte aus einem alten protestantischen Adelsgeschlecht aus der Grafschaft Mark. Seine Familie gehörte zu den Reichsten im Königreich Preußen. So konnte der „Tolle Bomberg“ sich seine wilden Eskapaden leisten, für deren Folgen er in der Regel ohne zu murren (wenn auch häufig mit zeitlicher Verzögerung) aufkam. Auf seinem Gut Buldern züchtete er Reitpferde, er soll mit unsicheren Wertpapieren spekuliert und großzügig Kredite vergeben haben. Sein Großvater hingegen war einer der bedeutendsten Bergwerksbesitzer im entstehenden Ruhrgebiet. 1799 führte es auf seiner Zeche Vollmond im heutigen Bochumer Stadtteil Langendreer, die erste Dampfmaschine zur Wasserhaltung im Ruhrgebiet ein.
Der Erbsitz derer von Romberg war Schloss Brünnighausen in Dortmund. Heute erinnern nur noch ein trutziges Torhaus und der großzügig angelegte Botanische Garten Rombergpark an das stattliche Anwesen.

Autorin: Waltraud Murauer-Ziebach
 

  • Datum 23. November 2017
  • Schlagwörter Features