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Engagiert im ländlichen Raum

Engagiert im ländlichen Raum

Drei der vier westfälischen Teilregionen sind mehrheitlich ländlich geprägt. Auch wenn das Image Westfalens oft von Agrarwirtschaft und Pferdezucht geprägt ist – das Leben auf dem Lande ist heute viel mehr. Industrielle Schwergewichte, die sogenannten „hidden champions“ finden sich auch im Sauerland, in Ostwestfalen und im Münsterland. Das ist auch gut so, denn Dörfer und Kleinstädte haben in den letzten 100 Jahren einen tiefgreifenden Funktionswandel erlebt. Sie sind längst nicht mehr Orte der Land- und Forstwirtschaft verloren, sondern Schlafstätten für Pendler geworden. Wenn interessante Arbeitgeber am Orte sind, Schulen oder soziale Einrichtungen und das Vereinswesen intakt, bleiben Dörfer attraktiv. Wenn nicht, rollt der Möbelwagen in die nächste, größere Stadt.

Ballungsräume wachsen deshalb mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Sie bilden Cluster aus florierender Wirtschaft, innovativer Forschung, einer breiten Kulturlandschaft, einem attraktiven Einzelhandel und Nischen für unterschiedliche Lebensstile – also ein breites Angebot, das für viele Menschen attraktiver ist als weite Gärten, Misthaufen und Vogelgesang. Neben diesen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen tritt immer mehr der demografischer Wandel. Er besitzt im Kern drei Dimensionen: Die Bevölkerung wird älter, sie schrumpft und sie wird heterogener. Wie weit sich die Bevölkerung verändert, hängt davon ab, wie sich die Fertilitätsrate, die Lebenserwartung und die Migrationsquote entwickeln. Da es in Deutschland aus guten Gründen wenig Interesse an biopolitischen Maßnahmen gibt, die Geburtenrate und die Lebenserwartung stark von persönlichen Entscheidungen abhängig sind, lässt sich im Grunde nur der Faktor Migration politisch steuern. Dazu braucht es aber einen gesellschaftlichen Konsens. Wollte man den Bevölkerungsrückgang bis 2050 halbieren, bräuchte man ein gesteuertes Wanderungsplus von 160.000 Menschen pro Jahr.

Anpassungsstrategien und individuelle Lösungen lassen nur mit einer Ko-Produktion von Wohlfahrt durch Staat und Zivilgesellschaft realisieren. Hier will die Stiftung Westfalen-Initiative mit Konferenzen, Studien und Praxisprojekten ansetzen. Wie diese Anpassungen vorzunehmen sind, kann nicht „par ordre du mufti“ entschieden werden, sondern ist Aufgabe der öffentlichen, politischen Debatte in jeder Kommune, in jedem Bundesland. Sie betrifft aber auch das Verhältnis des Bundes zu Ländern und den Kommunen – gerade, wenn es um die Verteilung der öffentlichen Finanzen geht. Die Debatte über die Zukunft der ländlichen Räume im demografischen Wandel verdient deshalb auch in Nordrhein-Westfalen einen vorderen Platz auf der politischen Agenda.

  • Datum 9. August 2017
  • Schlagwörter Demografischer Wandel