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GEEG: Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule

GEEG: Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule.

Oder: Gemeinsam erziehen macht stark. Wenn Eltern und Schule gemeinsam an einem Strang ziehen

Bildungsreformen sind spätestens seit dem PISA-Schock von 2001 in aller Munde. In der Praxis ergibt sich aber immer wieder die Frage: Wie können solche Reformen denen helfen, die in der Schule Frustration erfahren und ein negatives Verhältnis zu ihr entwickelt haben? Ein Kernproblem des deutschen Bildungssystems, die Trennung von Bildung und Erziehung, bleibt in den Debatten meistens außen vor. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Studien (z.B. PISA 2009 oder Sacher 2014) hat das Elternhaus einen direkten Einfluss auf den schulischen Erfolg der Kinder. Fehlt die Unterstützung der Eltern, ist die schulische Arbeit als Ganzes infrage gestellt. Die Eltern spielen mit ihrem Verhalten eine Schlüsselrolle für das Leben und speziell für die Schulleistung der Kinder. Die Eltern müssen also ins Boot geholt werden, um den gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsauftrag optimal zu erfüllen.

Hier setzt das Projekt „Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule“ (GEEG) an, das die Stiftung Westfalen-Initiative mit dem Pädagogen Gottfried Duhme 2008 entwickelt hat und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile ist GEEG ein tolles Beispiel für eine innovative Kooperation dreier an Bildung interessierter Stiftungen. Neben den Initiatoren beteiligen sich auch die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung aus Osnabrück und die Reinhard Mohn Stiftung aus Gütersloh an diesem Projekt. Alle Stiftungen verbindet das gleiche Anliegen – und doch arbeitet jede der drei Stiftungen methodisch etwas anders, ist in ihrer Region Projektkooperationen mit weiteren Institutionen eingegangen und bedient somit unterschiedliche regionale Zielgruppen. Alle Partner wollen den Ansatz flächendeckend in den Grundschulbetrieb integrieren.

Die Vielfältigkeit und die lokale Anpassung spricht für die Eigendynamik, thematische Passgenauigkeit und Adaptionsfähigkeit dieses Projekts. Im Kern geht es um eine Begegnung von Eltern, Schule und Lehrern auf Augenhöhe und der Erarbeitung eines gemeinsamen positiven Erziehungskonzepts, bspw. durch Elterntrainings oder thematische Veranstaltungen. Die Nachfrage nach den Inhalten und entsprechenden Lehrer- und Schulfortbildungen war schnell so groß, dass weitere Angebote bereitgestellt wurden. Im Schulbezirk Gelsenkirchen ist das Projekt offiziell etabliert und fest in die Lehrerfortbildungen des entsprechenden Kompetenzteams eingebunden. Hier gibt es jährliche Kollegiumsfortbildungen, um Lehrer und Schulen bei der Umsetzung zu unterstützen.

Im Jahr 2013 ist das Projekt GEEG in die Fläche gegangen. Es gab Elternkurse an Schulen im Raum Osnabrück und Gelsenkirchen. Aus dem Nukleus von drei Gelsenkirchener Grundschulen ist ein großes vernetztes Projekt geworden. Insgesamt wurden bisher über 200 Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet. Aktuell finden jährlich ein bis zwei Lehrerfortbildungen sowie zwei bis vier weitere Veranstaltungsformen, z.B. schulinterne Lehrerfortbildungen oder spezielle Fachtagungen, statt.

Das Projekt wird seit der Initialisierung kontinuierlich wissenschaftlich evaluiert. Die Ergebnisse dieser Begleitung durch Jens Heete und Waldemar Magel zeigen einen beachtlichen Erfolg: Die befragten Eltern äußerten positive Einschätzungen der Kurse und dokumentierten klare positive Verhaltensänderungen bei sich und ihren Kindern. Die Elterntrainings wurden als sehr hilfreich betrachtet. Das Verhältnis zur Schule und auch die familiäre Situation haben sich verbessert. Doch nicht nur die Eltern profitieren vom Projekt. Elternhaus und Schule wachsen zu einem einheitlichen Lebensraum zusammen, in dem die Schüler sich wohlfühlen. Sie entwickeln eine stärkere Leistungsmotivation, gesteigertes Selbstvertrauen und emotionale wie soziale Kompetenzen. In vielen Gesprächen mit Lehrern oder Schulleitungen gaben diese an, dass der Unterricht insgesamt etwas störungsfreier durchgeführt werden kann.

Dieses Projekt lebt vom freiwilligen Engagement. In den Projektschulen widmen sich Lehrerinnen und Lehrer diesem Projekt und führen Elternkurse durch, ohne an anderer Stelle in gleichem Umfang entlastet zu werden. Sie sind davon überzeugt, mit diesem Ansatz das Schulleben und damit auch ihren Arbeitsalltag nachhaltig zu verbessern.

Mittlerweile sind die Erkenntnisse aus dem Projekt und die Daten aus der wissenschaftlichen Begleitung sehr umfangreich. Die Stiftung Westfalen-Initiative ist weiterhin bestrebt, das Projekt in die westfälische Fläche zu tragen und auch weitere Kooperationspartner zu finden. So konnte bspw. im Jahr 2019 eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Münster getroffen werden, die eine enge Zusammenarbeit in ausgewählten Stadtgebieten Münsters zwischen dem Schulamt und der Stiftung beinhaltet. Auch vor Entscheidungsträgern der Bezirksregierung Münster und der NRW Landesregierung wurde das Projekt vorgestellt und stieß auf positive Resonanz.

Wenn Sie sich als Schule, Schulleitung, Lehrer oder pädagogischer Mitarbeiter für das Projekt oder die entsprechenden Fortbildungen und Veranstaltungen interessieren, freuen wir uns auf Ihre Anfrage unter info@westfalen-initiative.de .

Jetzt ist auch ein Handbuch zur Projektumsetzung erschienen!

 

 

Evaluation_Januar_2020

GEEG_Elternarbeitsheft

GEEG_Lehrerinformation

  • Datum 9. Januar 2018
  • Schlagwörter Bildung & Erziehung