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November 2020

 

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aktuell Informationen aus Westfalen-Lippe

Liebe Leserinnen und Leser,
mit unserem Newsletter laden wir Sie zu Veranstaltungen ein, informieren über unsere aktuellen Projekte und geben einen Überblick über jüngste Entwicklungen in der Westfalen-Initiative und bei unseren Projekt- und Kooperationspartnern.

Wir wünschen den Lesern eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit und ein glückliches Jahr 2019.
Viel Freude beim Lesen und herzliche Grüße
Ihr Team der Westfalen-Initiative

 

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative (3.v.l.), und Rosemarie Leicht, Witwe des Stifters Martin Leicht, freuten sich über die anregende Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Norbert Lammert, die das Xenon Saxophonquartett musikalisch gestaltete.

Lammert: Europa steht am Scheideweg

Der europäische Integrationsprozess ist für Prof. Dr. Norbert Lammert „eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten in der Menschheitsgeschichte“. Allerdings ist für den ehemaligen Bundestagspräsidenten der aktuelle Zustand der EU wegen massiver Versuche einer Renationalisierung „hochgradig besorgniserregend“. Der Kontinent steht demnach am Scheideweg. Denn nie sei er in einer besseren Lage gewesen, seine Zukunft zu gestalten. Zugleich sei die Aussicht nie geringer gewesen, dass diese Option positiv genutzt werde, bilanzierte Lammert. Als Gast der Westfalen-Initiative sprach er Anfang September vor knapp 150 Gästen im münsterischen Erbdrostenhof über das Subsidiaritätsprinzip im politischen System Europas. Den Brexit nannte Lammert als Beispiel dafür, dass manches in der Europäischen Union (EU) derzeit „mehr auseinander als zueinander“ läuft. Der Einigungsprozess in der EU lasse sich ohne das Spannungsverhältnis zwischen Subsidiarität und Souveränität weder in seiner bisherigen Geschichte verstehen noch weiterentwickeln. Der Lissaboner Vertrag gestehe den Regionen als subsidiäres Element ein Recht zu, Stellung zu nehmen zu Vorhaben der EU. Dabei handele es sich aber nur um einen Beitrag in einem Diskussionsprozess, an dessen Ende die EU-Gremien entscheiden. Auch die europäischen Nationalstaaten müssten in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung den Verlust von Souveränität hinnehmen. „Sie sind nicht mehr Herr ihrer eigenen Angelegenheiten. Und dieser Zustand ist auch nicht wieder herstellbar“, folgerte Lammert. Der Kern der europäischen Integration sei Souveränität zu teilen.

​Sammelband zu zentralen Begriffen der WI-Arbeit

Nach knapp zwei Jahrzehnten Stiftungsarbeit hält die Westfalen-Initiative einen Moment inne in ihrem Tagesgeschäft, um sich ihres Ursprungs zu erinnern und das Vermächtnis ihres Stifters Martin Leicht bewusst zu reflektieren. Es geht dabei nicht um eine Beschreibung des Erreichten, die in der konkreten Projektarbeit ablesbar ist. In einer Phase der Neuordnung und Neuorganisation interpretieren wir unsere Arbeit zeitgemäß und zukunftsgerichtet. Stichworte dabei sind: Gemeinwohl und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen, gesellschaftliche Verantwortung, Stiftungswesen. Unter diesen Gesichtspunkten ist ein Sammelband mit stilistisch sehr unterschiedlichen Beiträgen namhafter Autoren entstanden, darunter NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach, der Medienwissenschaftler und Philosoph Norbert Bolz, der Religionswissenschaftler Joachim Wiemeyer und Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und Gründerin des European Democracy Lab (EDL) in Berlin. Das Spektrum reicht vom essayistischen Report über den wissenschaftlichen Aufsatz bis zur literarischen Gedankenreise.

 

Gaben gemeinsam den Startschuss für eine Studie über „Verflechtungen zwischen Süd- und Ost-westfalen, dem Münsterland und dem westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“: Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick, Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (1. und 2.von links), die Professoren Dr. Rolf G. Heinze (3.v.l.) und Dr. Jörg Bogumil (r.) sowie Dorothee Feller und Dr. Peter Paziorek.

Verflechtungspotenziale zu Gunsten aller nutzen

Nicht Abschottung und Konfrontation, sondern Integration und Kooperation sind der richtige Weg, um ganz Westfalen voranzubringen. In diesem Punkt waren alle Teilnehmer der jüngsten Beiratssitzung der Westfalen-Initiative einig. Die Veranstaltung war Auftakt-Workshop zu einer Studie mit dem Arbeitstitel „Verflechtungen zwischen Süd- und Ostwestfalen, dem Münsterland und dem westfälischen Ruhrgebiet als Innovationsmotoren“ im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Die Autoren, die Professoren Dr. Jörg Bogumil und Dr. Rolf G. Heinze von der Ruhr-Universität Bochum, wollen auf der Basis einer Analyse der heutigen Verflechtungsbeziehungen bestehende Verbesserungspotenziale ermitteln und klare Handlungsempfehlungen zu deren Nutzung formulieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Transfer von wissenschaftlicher Erkenntnis in die wirtschaftliche Praxis. Autoren und Auftraggeber setzen für die Erstellung der Studie auf eine enge Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern sowie mit den Transferstellen der Hochschulen. So sollen einerseits konkrete Bedarfe in den Unternehmen und gleichzeitig praxisgerechte Möglichkeiten für die Vermittlung von Lösungen aus der Wissenschaft ermittelt werden.Weil es viele strukturpolitische Verbindungen gebe, die als Brücken zwischen den westfälischen Teilregionen dienen können, plädierte Rasmus C. Beck, oberster Wirtschaftsförderer des Regionalverbandes Ruhr (RVR), für eine „Allianz der Willigen“. Es gehe darum, die wechselseitige Lösungskompetenz zu nutzen. Dafür sei ein partnerschaftliches gemeinsames Standortmarketing zwingend. Aus Sicht von Münsters Regierungspräsidentin Dorothee Feller gibt es weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem. Sie verwies zudem auf weitere Verflechtungsthemen wie Verkehr und medizinisch-pflegerische Versorgung. „Es müssen nicht immer alle mitmachen, sonst erschwert es das nur“, bekräftigte auch die Regierungspräsidentin, dass eine Initialzündung das Entscheidende sei.

 

Vera Kalkhoff, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Westfalen-Initiative, und Thomas Auf der Landwehr vom Westfälischen Heimatbund begrüßten die Teilnehmer des gemeinsamen Workshops über Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

"WestfalenBeweger" gehen in die zweite Wettbewerbsphase

Ein intensives Jahr geht für die "WestfalenBeweger" zu Ende. Die zehn Starterprojekte des Ehrenamtswettbewerbs (Musical Fabrik e.V., Förderverein Kulturgut Samson, Wattenscheider Tafel e.V., Flüchtlingshilfe Schieder-Schwalenberg, Kunst vor Ort e. V., Abenteuerkiste Greven e. V., migration_miteinander, Stiftung Bürger für Münster,  Arbeitskreis Kluterthöhle und der BV Bad Lippspringe) haben inzwischen jeweils 2.000 Euro Preisgeld erhalten. In Kürze beginnt der zweite Teil des Wettbewerbs. Darin werden die Starterprojekte gebeten, ihre Fortschritte zu dokumentieren. Die Jury wird dann erneut tagen und die erfolgreichsten Vorhaben auszeichnen. Dafür stehen weitere 15.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Intensiv wurden die Initiativen von uns durch das Wettbewerbsjahr begleitet. Zur Stärkung ihrer Strukturen konnten sie an Vernetzungstreffen und insgesamt vier Workshops teilnehmen. Die Veranstaltungen zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie zum Gemeinnützigkeitsrecht haben wir zusammen mit dem Westfälischen Heimatbund (WHB) ausgerichtet. Seit 2013 wurde mit den "WestfalenBewegern" bürgerschaftliches Engagement in 57 Projekten mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 280.000 Euro ausgezeichnet. Die Westfalen-Initiative und ihre Partner honorieren und unterstützen damit ganz maßgeblich den ehrenamtlichen Einsatz von Bürgern in der Region.

 

Mehr politisches Gewicht und Mitsprache der rund 100.000 Kommunen und 300 Regionen in Europa wünscht Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Ausschusses der Regionen in der EU (AdR).

AdR-Präsident fordert starke Regionen in Europa

Für mehr politisches Gewicht der rund 100.000 Kommunen und 300 Regionen in Europa plädiert Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Ausschusses der Regionen in der EU (AdR). Mehr Mitsprache sei „wünschenswert“, schließlich müsse Europa vor Ort stattfinden, so der erste Repräsentant der deutschsprachigen Minderheit in Belgien beim Kamingespräch der Westfalen-Initiative auf dem münsterischen Gut Havichhorst. Dem Vorschlag, den AdR, der derzeit mit seinen 350 Mitgliedern nur beratende Funktion hat, zur zweiten Kammer des EU-Parlaments zu machen, brachte er zwar erkennbar Sympathie entgegen, äußerte sich aber vorrangig pragmatisch. Entscheidend sei, dass Europa den Menschen erkennbaren Mehrwert bringe. Aus Lambertz ́ Sicht muss dazu das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen bis hinunter zu den einzelnen Städten und Gemeinden deutlich optimiert werden. Der AdR-Präsident bezweifelte zugleich die in jüngster Zeit wieder verstärkt diskutierte These eines föderativen Europas der Regionen, in dem es keine Nationalstaaten mehr gibt. Der Kontinent benötige für seine Weiterentwicklung eine gemeinsame Strategie unter Beachtung der gewachsenen regionalen Identitäten. Lambertz ermutigte Westfalen als historisch und kulturell gewachsene Region, sich in europäische Diskussionsprozessse einzubringen.

 

Einheitliche Vertretung von Stiftung und Verein

Der Verein Westfalen-Initiative e.V. hat in seiner Mitgliederversammlung am 22. November mit einer Satzungsänderung die formale Voraussetzung für eine gemeinsame Neuausrichtung mit der gleichnamigen Stiftung geschaffen. Ziel ist, die Westfalen-Initiative zukunftsfähig aufzustellen. Dazu zählt, dass ein gemeinsamer Vorsitzender sowie ein gemeinsamer Geschäftsführer sowohl Stiftung als auch Verein nach außen vertreten. Das ist der Wunsch der beiden amtierenden Vorsitzenden, Dr. Karl-Heinrich Sümmermann und Dr. Peter Paziorek. Die unterschiedliche Besetzung der Vorstandsvorsitze von Stiftung und Verein hatte nämlich in der Vergangenheit gelegentlich zu Irritationen geführt. Die Ergebnisse der von Paziorek und Sümmermann initiierten Neuorganisation werden nun nach Klärung von Fragen des Vereins-, Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrechts sukzessive umgesetzt. Die Änderung der Vereinssatzung war dazu ein erster Schritt. In der Folge gilt es nun, geeignete Personen für den gemeinsamen Vorsitz von Stiftung und Verein sowie für die Geschäftsführung zu finden.

 

Workshop zu Anlagerichtlinien und realen Immobilien

Mit einem Workshop "Anlagerichtlinien und reale Immobilien - Fragen und Antworten" startet der Stiftungsverbund Westfalen-Lippe in das neue Jahr. Referenten der Veranstaltung, die gemeinsam mit den Kommunalen Stiftungen der Stadt Münster ausgerichtet wird, sind Nadja Zieren (Landeshauptstadt Düsseldorf) und Ralf Gigerich (Bundesverband Deutscher Stiftungen, Berlin). Tagungsort ist am Freitag, 18. Januar 2019, ab 14 Uhr die Geschäftsstelle der Kommunalen Stiftungen Münster, Gesundheitshaus, Gasselstiege 13 in 48159 Münster. Die Teilnahme ist kostenlos, die Teilnehmerzahl aber begrenzt. Es sind noch wenige Plätze frei. Interessenten melden sich per Email an info@stiftungsverbund-westfalen.de. Hinweise zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel gibt es unter https://bit.ly/2Q9HiVI. Wer mit dem Auto anreist, nutzt bitte die umliegenden öffentlichen Parkplätze.

 

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Redaktion: Christoph Boll (V.i.S.d.P), Stiftung und Verein Westfalen-Initiative
Piusalle 6, 48147 Münster, Telefon: 0251 5916424 Fax: 0251 5913249,
E-Mail:  boll@westfalen-initiative.de