Die Projekte

Westfälische Ehrengalerie 2002

 

Pater Werner Rolevinck wurde im Jahre 1425 in Laer (Kreis Steinfurt) in Westfalen als Bauernsohn geborenen. Im Jahr 1443/44 besuchte er die Universität in Köln. 1447 trat er in die Kölner Kartause St. Barbara ein. Er starb am 26. August 1502 in Köln, wo er lange Zeit als Pater und Prior gewirkt hatte. Pater Rolevincks Bedeutung geht auf seine Tätigkeit als Buchautor und im Besonderen auf sein Werk De laude antiquae Saxoniae nunc Westphaliae dictae, also Zum Lobe Westfalens des alten Sachsenlandes, aus dem Jahr 1474 zurück. Das Buch gilt als die älteste Kulturgeschichte einer deutschen Landschaft und ist eine wichtige Quelle westfälischen Brauchtums im ausgehenden Mittelalter. Rolevincks literarisches Werk ist umfangreich, es liegen über fünfzig Texte zu den unterschiedlichsten Themen von ihm vor. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben dem Buch zum Lobe Westfalens auch sein als Ploetz des 15. und 16. Jahrhunderts bezeichnetes Handbuch zur Weltgeschichte, der Fasciculus temporum, das innerhalb von 18 Jahren 30 Nachdrucke erfuhr und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Beim Schreiben wählte er einen einfachen Stil, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen; hinzu kam seine Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte auf das Wesentliche zu reduzieren. Er ist der erste Autor, der unmittelbar für die Druckerpresse schrieb und seine Schriften durch das neue Medium verbreiten ließ. Rolevinck setzte seiner Heimatregion Westfalen und ihren Bewohnern mit dem Buch zum Lobe Westfalens ein für die Zukunft verpflichtendes Denkmal. Westfalen war für ihn mit der ganzen Welt verwandt. Seine Botschaft für die Menschen in Westfalen lautet: Jeder Westfale ist gehalten, an seinem Ort dem verpflichtenden Beispiel seiner Vorfahren Ehre zu machen und, wenn er Wohlstand erlangt, nicht überheblich und unbeherrscht zu werden. Der Westfale Werner Rolevinck war kein Neuerer, hatte jedoch ein Gespür für neue Entwicklungen. Seine Stärke lag in der Kommunikation und in der Vermittlung von Wissen und Information. Den Westfalen aber hat er ein Bild ihres Landes geschenkt, das die Anschauungen über Westfalen über lange Zeit nachhaltig geprägt hat.

 

Altabt Stephan Schröer OSB (geb. 1940) trat 1967, nach einer Ausbildung bei der Volksbank Meschede, in die Benediktiner-Abtei Königsmünster ein. Sein Studium an der Philosophischen Ordenshochschule der Erzabtei Ottilien schloss er 1972 als Diplom-Theologe ab. Da ihm Jugendliche und Erziehung schon immer ein besonderes Anliegen waren, absolvierte er anschließend noch ein Zweitstudium für Lehramt an Gymnasien. Mit 36 Jahren wurde er zum Abt gewählt. In seine 25-jährige Amtszeit als Abt fielen Innovationen wie die Gründung der Oase für Jugendliche und der Bau des Hauses der Stille.  Der Wahlspruch Altabt Stephans aus dem Galaterbrief Ihr seid zur Freiheit berufen (Gal 5,13) steht für seine Grundüberzeugung. Seiner Auffassung nach muss man Menschen zu mehr Eigenverantwortung ermutigen, wenn man möchte, dass sie ihr inneres Potenzial voll zur Entfaltung bringen. Seit vielen Jahren engagiert sich Altabt Stephan stark für die wirtschaftliche Entwicklung seiner Region. Dies geschieht aus dem Bewusstsein heraus, dass Menschen sich nur für das Gemeinwohl einsetzen können, wenn sie sich in ihrer Region wohlfühlen. Seinem Einsatz liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Prosperität einer Region eine funktionierende Wirtschaft voraussetzt und eine funktionierende Wirtschaft es erleichtert, soziale und kulturelle Anliegen zu unterstützen. Das Wirken Altabt Stephans zeigt, welche initiatorischen und nachhaltigen Kräfte aus spirituellen Anregungen entstehen können. Sein Leben ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man führt, ohne zu bevormunden.

 

 Pater Werner Rolevinck

Pater Werner Rolevinck. Zeichnung: Andreas Raub. Mit freundlicher genehmigung des Verlags Aschendorff GmbH & Co KG, Münster


 Altabt Stephan Schröer

 Altabt Stephan Schröer; Foto: Resi Borgmeier