Die Projekte

Die 6. Philosophische Winterakademie – Originalität, Herzblut und schlagende Argumente

 

Wie kann man Jugendliche angesichts einer zunehmend uniformen Jugendkultur motivieren, eigenständig zu denken und sich mit grundlegenden gesellschaftsphilosophischen Fragen auseinander zu setzen? Wie kann man ihren Forschungsgeist anregen? Einen Anreiz in diese Richtung bietet die „Philosophische Winterakademie für Schüler". Die Stiftung Westfalen-Initiative führt seit dem Jahr 2000 zusammen mit der Josef Pieper Stiftung, der Westfälischen Wilhelms-Universität, der Akademie Franz Hitze Haus und der Bezirksregierung Münster diesen landesweiten, jährlich stattfindenden philosophischen Essaywettbewerb für Schüler durch. Die didaktisch gelenkte Beschäftigung mit vorgegebenen philosophischen Fragestellungen und die persönliche Begegnung und den gedanklichen Austausch untereinander sollen leistungsorientierte intellektuelle Aktivität und denkerische Originalität stimulieren. Die Josef Pieper Stiftung stellt den Schülern Unterlagen und Buchpreise zur Verfügung, um ihnen das Werk des westfälischen Philosophen näher zu bringen.

An der ersten Runde des landesweiten Philosophie-Wettbewerbs können alle Schüler teilnehmen, die in NRW das Wahlfach Philosophie belegen; die 25 Landesbesten werden zu einem mehrtägigen Seminar ins Franz-Hitze-Haus nach Münster eingeladen, in dessen Verlauf zwei Gewinner ermittelt werden. Diese werden zur Internationalen Philosophie-Olympiade (IPO) entsandt, die jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet.

2006 gingen über 700 Schüler an den Start, die 25 besten nahmen an der 6. Philosophischen Winterakademie (7.-10.2.2006) teil, die ganz im Zeichen des Themas „Der Zusammenhang von Geist, Moral und Natur" stand.
Die Jugendlichen konnten auswählen zwischen mehreren Essaythemen, zur Auswahl standen u.a. Zitate von David Hume („Die Vernunft ist nur der Sklave der Affekte und soll es sein; sie darf niemals eine andere Funktion beanspruchen, als die, denselben zu dienen und zu gehorchen.") und Ernst Bloch („Die Vernunft kann nicht blühen ohne Hoffnung, die Hoffnung nicht sprechen ohne Vernunft ..."). Die Essays konnten wahlweise auf Englisch oder Französisch verfasst werden. Die Jury, bestehend aus 15 Philosophie-Fachlehrern aus NRW, war voll des Lobes und bescheinigte allen Teilnehmern ein „durchweg hohes Niveau der Argumentation". Die Hauptkriterien, nach denen die Siegeressays gekürt wurden, waren „Originalität, Herzblut und schlagende Argumentation", so Dr. Gerd Gerhardt, Mitbegründer der Internationalen Philosophie-Olympiade. Davon zeugten besonders auch die Siegeressays, die Alexander Johann (1. Platz) und Daniel Thoms (2. Platz) verfassten. Sie durften vom 13.-18. Mai an der XIV. Internationalen Philosphie-Olympiade im süditalischen Cosenza teilnehmen. Beide landeten dort in der Gruppe der mit „Honorable Mentions" ausgezeichneten ersten 20 (von 43) Teilnehmer.
Den dritten Platz der Winterakademie belegte Lea Beckmann aus Münster.

Das Essayschreiben ist eine kreative Form der intellektuellen Auseinandersetzung im Philosophieunterricht. Wie wichtig diese Art der schriftlichen „Selbstverständigung" ist, erläuterte ein Juror der Philosophischen Winterakademie: „Man denkt klarer und man kommt auf neue Ideen während des Schreibens, so dass sich das Endprodukt mehr von einem selbst löst, als es beim unverschriftlichten Denken der Fall gewesen wäre".

Mittlerweile wurde die Philosophie-Akadmie übrigens auch zum Export-Artikel: Erstmals haben sowohl Österreich als auch die Schweiz einen Wettbewerb nach westfälischem Vorbild abgehalten.