Die Projekte
Eva Müller (Projektleiterin), Beatrice Flörke (Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Bickernstraße in Gelsenkirchen) und drei Eltern (Hatice Kizilkiren, Silke Peiker und Adrian Karakök)


Gemeinsam erziehen macht stark

 

Wenn Eltern und Schule an einem Strang ziehen

 

Nach der letzten Pisa-Studie ist Deutschland „Mittelmaß". Einhellig ist die Forderung nach einem „nationalen Bildungsprogramm". Stichwörter sind Förderung, Leistungssteigerung, Qualitätskontrollen, besserer Unterricht. Nur: Was helfen solche Programme bei denen, die in der Schule Frustration erfahren und ein negatives Verhältnis zu ihr entwickelt haben? Ein Kernproblem des deutschen Bildungssystems, die Trennung von Bildung und Erziehung, bleibt in den Debatten außen vor. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen hat das Elternhaus sehr viel mit dem schulischen Erfolg zu tun. Fehlt die Unterstützung der schulischen Arbeit durch die Eltern, ist die schulische Arbeit als Ganzes in Frage gestellt. So spielen Eltern mit ihrem Verhalten eine Schlüsselrolle für die Schulleistung der Kinder. Die Eltern müssen also ins schulische Boot geholt werden, um den gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsauftrag optimal zu erfüllen.

Hier setzt das Projekt „Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule" an, das die Stiftung nach seinem Start in Gelsenkirchen 2008 nun über mehrere Landkreise ausdehnt. Dabei werden Grundschullehrer durch den Projektleiter Gottfried Duhme dazu ausgebildet, Elterntrainings zur Vermittlung eines positiven Erziehungskonzepts durchzuführen. Die Nachfrage nach den Lehrerkursen war groß, so dass schnell weitere angeboten werden mussten. Eva Müller und Urte Hardering-Lubinski, Elterntrainerinnen der ersten Stunde in Gelsenkirchen, bieten nun auch Kollegiumsfortbildungen an, um zukünftige Elterntrainer zu unterstützen. Damit hat das Projekt eine Eigendynamik entwickelt.

2013 ist das Projekt „Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule“ in die Fläche gegangen. Es gab Elternkurse an Schulen im Raum Osnabrück und im Raum Gelsenkirchen. Aus dem Nukleus von drei Gelsenkirchener Grundschulen ist ein großes vernetztes Projekt geworden. Insgesamt wurden bisher über 150 Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet, weitere Lehrgänge sind geplant. Mit der Reinhard-Mohn-Stiftung, der Bohnenkamp-Stiftung und der Stiftung help and hope sind drei starke Partner dabei, das Projekt weiter zu verbreiten. So ziehen vier Stiftungen gemeinsam an einem Strang, um diesen Ansatz flächendeckend in den Grundschulbetrieb zu integrieren.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.  Die Ergebnisse der Begleitung zunächst durch Jens Heete und nun durch Waldemar Magel zeigen den Erfolg: Die befragten Eltern äußerten positive Einschätzungen der Kurse und dokumentierten klare positive Verhaltensänderungen bei sich und ihren Kindern. Die Elterntrainings wurden als sehr hilfreich betrachtet. Das Verhältnis zur Schule und auch die familiäre Situation haben sich verbessert. Doch nicht nur die Eltern profitieren von dem Projekt, in dem sich Eltern und Lehrer auf Augenhöhe begegnen. Elternhaus und Schule wachsen zu einem einheitlichen Lebensraum zusammen, wo die Schüler sich wohl fühlen. Sie entwickeln eine stärkere Leistungsmotivation, gesteigertes Selbstvertrauen und emotionale wie soziale Kompetenz.

Dieses Projekt lebt vom freiwilligen Engagement. In den Projektschulen widmen sich Lehrerinnen und Lehrer diesem Projekt und führen Elternkurse durch, ohne an anderer Stelle in gleichem Umfang entlastet zu werden. Sie sind davon überzeugt, mit diesem Ansatz das Schulleben und damit auch ihren Arbeitsalltag nachhaltig zu verbessern.

Mittlerweile sind die Erkenntnisse aus dem Projekt und die Daten aus der wissenschaftlichen Begleitung sehr umfangreich. Nun muss dieses Pilotprojekt in die Fläche getragen werden und die für Schule verantwortlichen staatlichen Stellen müssen in die weitere Entwicklung einbezogen werden. Am 23. September 2013 haben die Verantwortlichen NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann in Gelsenkirchen das Projekt vorgestellt.

Weitere Kurse sind geplant. Interessierte Lehrer und pädagogische Mitarbeiter können sich unter info@westfalen-initiative.de melden.

Jetzt ist auch das Handbuch zur Projektumsetzung erschienen!