Die Projekte

Münster-Angelmodde

 

Völlig anders stellt sich die Situation in Münster-Angelmodde dar, wo ein Integrationsverein eine Fußballabteilung geschaffen hat. Hier waren nach dem Abzug der britischen Armee Neuankömmlinge aus allen Kontinenten, mit oder ohne Pass, geduldet oder mit Aufenthaltsgenehmigung, selbständig oder auf Hartz IV, untergebracht worden. Es entstand ein sozialer Brennpunkt, in dem die jungen Männer ihrem Frust und ihrer empfundenen Perspektivlosigkeit auch gewalttätig Ausdruck verliehen. Ein Ventil musste her. Der seit 10 Jahren im Stadtteil aktive Integrationsverein „Treffpunkt Waldsiedlung e.V." nahm sich vor, aus der Straßengang eine Fußballmannschaft zu machen, was auch gelang.
Relativ schnell wurden die Strukturen geschaffen und die Mannschaft offiziell angemeldet. Rund 30 spielwillige junge Männer aus acht verschiedenen Ländern fanden sich, so dass auf ein großes Reservoir zurückgegriffen werden konnte. Es fanden sich ehrenamtliche Trainer und ein paar Sponsoren für die nötige Grundausstattung. Sportlich wurde das zum großen Erfolg, denn die Mannschaft beendete ihre erste Saison in der Kreisliga C als Dritter. Auf dem Platz und auf den Rängen herrschte große Euphorie: 200 Zuschauer sind in der Kreisliga schon eine Seltenheit. Das Wir-Gefühl in der Waldsiedlung wurde deutlich sichtbar. Auch aus polizeilicher Sicht wurde es ruhig, so dass die Etablierung der Fußballabteilung in vielerlei Hinsicht als Erfolg gesehen werden kann. Auch die weitere Wirkung in den Stadtteil hinein war so groß, dass für die zweite Saison eine zweite Mannschaft sowie eine Jugendmannschaft gegründet wurden. Am Aufbau einer Mädchenmannschaft wird noch gearbeitet. Dies erfordert allerdings einen großen Einsatz weiterer Ehrenamtlicher, der erst einmal gesichert werden muss.
Die Herausforderung sind bei einem solchen Projekt die Vereinsstrukturen: Vertragen sich die „basisdemokratischen" Strukturen eines Stadtteil-Integrationsvereins mit den Notwendigkeiten der Führung einer Fußballmannschaft? Trägt der Fußball dazu bei, dass sich mehr junge Männer im Verein engagieren?
Im Fußball muss jeder Verantwortung für sich und die Mannschaft übernehmen, insofern trägt die Struktur des Mannschaftsspiels schon zur Stärkung der Eigenverantwortung bei. Schon in der Mannschaft gibt es Zuständigkeiten und Ehrenämter, die ausgefüllt werden müssen. Im Treffpunkt Waldsiedlung e.V. gibt es nicht nur Fußball, sondern eine Reihe anderer Aktivitäten, die den Zusammenhalt im Stadtteil stärken und einzelnen Bewohnern helfen sollen. Die interessante Frage wird sein, inwieweit die Aktivitäten im Fußballbereich dazu beitragen, dass sich die Spieler auch in den anderen Bereichen stärker engagieren.